Hermitage: Legendärer Syrah von der Rhône
Ihre Rotweine gehören zu den berühmtesten der Welt: Syrah aus der französischen Appellation Hermitage. Entdecken Sie mit uns das spektakuläre Gebiet, das seinen Namen einem Kreuzritter verdankt. Und mit einer Weisswein-Rarität aufwartet.
Wie in der Legende gibt es tatsächlich oben auf der Bergkuppe eine mittelalterliche Kapelle. Weinbau gibt es aber schon viel länger, nämlich seit der Römerzeit im ersten Jahrhundert nach Christi. Bereits der antike Autor Plinius der Ältere (23 bis 79) hat über die Weine von hier geschwärmt. Im Laufe der Jahrhunderte reihten sich zahlreiche Könige und der russische Zarenhof in die Fangemeinde der charaktervollen Rot- und Weissweine ein. Kein hoher Besuch ohne Hermitage! Dabei gehören die Weine nicht nur zu den berühmtesten Frankreichs. Sie gehören auch zu den rarsten der Welt, wofür schon der begrenzte Platz auf dem Hügel sorgt.
Weinbau in exklusiver Lage
Die Appellation Hermitage liegt am östlichen Ufer der Rhône, die hier ihren geraden Lauf zugunsten einer spektakulären Kurve ändert. Sie umfliesst das kleine Städtchen Tain-l’Hermitage am Fusse des steil auf 330 Meter ansteigenden Berges. Wer von dort die gewundenen Wege durch die terrassierten Weingärten hochsteigt, sollte genügend Kondition mitbringen. Von oben aus hat man einen sagenhaften Blick über den Fluss, hinüber ins Ardèche-Gebirge und in die Voralpen. Eine magische Szenerie.
Von Sonne und Steilhängen
Von Sonne und Steilhängen 80 Kilometer von Lyon entfernt, treffen in der Appellation Hermitage zwei unterschiedliche klimatische Einflüsse aufeinander. Als Teil der nördlichen Rhône unterliegt sie erstmal dem kontinentalen Klima, sprich kurze Sommer. Genau das ist eigentlich eher ungünstig für die wärmeliebende Sorte Syrah. Warum aber wird sie dann überall angebaut? Das Geheimnis ist die besondere Lage der Hermitage, nämlich ganz im Süden der nördlichen Rhône. Bis hierhin reicht das mediterrane Klima vom Mittelmeer, das die Durchschnittstemperatur erhöht. So ist es hier im Schnitt ein Grad wärmer als ganz im Norden der Rhône. Die Reben reifen damit etwa eine Woche früher.Und es kommen noch mehr Faktoren hinzu, die die Region ideal für Syrah machen! So sind alle Hänge der Appellation Hermitage perfekt nach Süden ausgerichtet und sichern ein Maximum an Sonnenschein. Eine zusätzliche Portion Wärme erhalten die Pflanzen durch die Steillage - ein Phänomen, das sich auch Mosel-Winzer zunutze machen. Denn je steiler der Weinberg, desto intensiver trifft die Sonne darauf. Dadurch erhalten die Reben auch im Herbst genügend Sonne. Zudem schützt der Berg die Weinhänge vor den kalten La-Bise-Nordwinden, die durch das enge Tal pfeifen. Dieser besondere Mix aus milden und kühlenden Einflüssen sorgt dann dafür, dass die Trauben hier behutsam ausreifen und dabei komplexe Aromen ausbilden.
So schmeckt eine Rotwein-Legende
In der Hermitage regiert mit 70 Prozent der Rotwein. Ihr unangefochtener König ist Syrah, die einzige erlaubte rote Rebsorte. Aus ihr werden komplexe, kraftvolle Weine gemacht, die schon im 17. Jahrhundert so gut waren, dass sie am französischen Hofe gereicht wurden. Bis heute beeindrucken sie durch ihre ausserordentliche Vielschichtigkeit. Wie wenig andere Weine auf der Welt vereinen sie Fülle und Eleganz.
Was früher Schriftsteller, Könige und Zaren verzückte, versetzte im 20. Jahrhundert Weinkritiker in Ekstase. Anfang der 1990er-Jahre durchbrachen zwei Weine aus der Appellation die 100-Punkte-Schallmauer des einflussreichen us-amerikanischen Verkosters Robert Parker. Einer dieser Weine war der «La Chapelle» aus dem Jahr 1961 von Paul Jaboulet Aîné. Ein Tropfen, der heute als Ikone gilt. Parker zählt ihn zu den besten Weinen des 20. Jahrhunderts und einem Grossen Gewächs aus dem Bordeaux absolut ebenbürtig.
Hermitage-Wein im Bordeaux
Die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Weinen haben sogar eine Geschichte. Sie ähneln sich nicht nur in Fülle und Lagerpotenzial. Sie wurden sogar miteinander verblendet! So war es im 18. und 19. Jahrhundert gängige Praxis, einen Schuss Syrah aus der Region Hermitage hinzuzufügen, wenn der Jahrgang im Bordeaux schlecht war. Oder der Aprilfrost Blüten zerstört und so den Ertrag verkleinert hatte. Weil es so verbreitet war, hat sich ein eigenes Wort dafür etabliert. Man flüsterte hinter vorgehaltener Hand, dass ein Wein «hermitagiert» sei, was durchaus als Kritik gemeint war.
Granit als Basis: Komplexe Böden, komplexer Wein
Was macht man, wenn man einen möglichst vielschichtigen Wein erzeugen möchte, für die die Region so berühmt ist? Genau, man kombiniert. Und erhöht dadurch die Komplexität. Der von Parker so gelobte «La Chapelle» etwa ist eine Cuvée aus sechs verschiedenen Parzellen, hier auch «climats» oder «lieux-dits» genannt. Die genaue Zusammensetzung des Weins variiert dabei von Jahr zu Jahr und ist natürlich ein gut gehütetes Geheimnis.
Weiter östlich gibt es in der Mitte zwei kleinere Bereiche, die beide feine, fruchtig-aromatische Beeren hervorbringen: auf der Hügelkuppe dominieren Kalk- und Feuerstein, die hangabwärts in Lehm-Kies-Böden übergehen. Ganz im Osten hingegen gibt es fruchtbare Lehmböden, die in den Trauben die erdig-würzigen Note betonen. Besonders gut sind diese Böden für zwei Weissweinsorten geeignet, die in der Praxis heute nur selten mit Syrah verschnitten werden. Wozu auch, sind doch ihre Weissweine selbst schon legendär.
Hermitage Blanc: Alterungsfähige Weissweine
Schaut man sich als Weisswein-Liebhaber die Region an, kann man nur neidisch sein, dass die Syrah-Weine so berühmt sind. Denn auch die Weissen geraten hier so einzigartig, dass man gern mehr davon hätte. Zumindest ein kleines bisschen mehr als die 30 Prozent Anteil an der Gesamtproduktion. Denn so ein Hermitage Blanc ist ein Unikat. Strahlend goldgelb, fast ölig bewegt er sich im Glas und öffnet dann langsam sein Aromenspektrum, das kein anderer Weisswein der Welt hat: Pfirsich, Quitte und ein typischer Nusston. Auch Blütenhonig und rauchige Noten finden sich, alles zusammengehalten von einem stattlichen Körper und dennoch seidiger Struktur. Als der spätere us-amerikanische Präsident Thomas Jefferson im 18. Jahrhundert 550 Flaschen eines Weissen Hermitage erwirbt, gehört dieser zu Frankreichs teuersten Weinen.Verantwortlich sind dafür die beiden authochthonen Sorten Marsanne und Rousanne. Marsanne sorgt für die Kraft und Nussaromen, Roussane für Eleganz und blumige Noten. Letztere kommt nur in geringen Dosen hinzu, da sie zur Oxidation neigt. Marsanne sorgt auch dafür, dass der Wein bis zu fünfzehn Jahre lagern kann. Aussergewöhnlich für einen Weissen.
Aus beiden Trauben wird in manchen Jahren eine absolute Rarität gewonnen, der Dessertwein Vin de paille. Dafür werden die Trauben wie beim Appassimento-Verfahrens in Italien, nach der Lese auf Strohmatten oder in Holzkisten getrocknet. Dadurch verdunstet ein Teil der Flüssigkeit in den Trauben, der Zuckeranteil erhöht sich und die Aromen konzentrieren sich. Erst danach werden die rosinierten Trauben vergoren. Das Ergebnis ist ein verführerisch dichter Süsswein, der nach kandierten Früchten riecht.
Hermitage: Raritäten, Raritäten!
Ein Vin de paille aus der Hermitage gehört zu den rarsten Weinen, die Sie weltweit bekommen können. Die trockenen Weissweine hingegen werden regelmässiger produziert, sind aber ausserhalb Frankreichs immer noch eher selten zu bekommen. Bei den Rotweinen sieht das Ganze schon etwas besser aus. Aber eben nur etwas. Denn die Flächen für neue Rebstöcke sind begrenzt. Und voll ausgereizt. Ein Beispiel gefällig? In den vergangenen 50 Jahren waren bereits 123 Hektar mit Reben bestockt. Heute sind es ganze 13 Hektar mehr. Der Hügel ist vollständig bepflanzt.Da wundert es nicht, dass man auch bei der jährlichen Produktion im sehr exklusiven Bereich liegt: lediglich 5.200 Hektoliter wurden 2018 produziert. In ganz Bordeaux sind es jährlich um die 6 Millionen Hektoliter. Geringe Produktion bei exzellentem Wein geht natürlich mit teuren Preisen einher. Im Schnitt zahlen Sie für einen klassischen Hermitage um die 60 Euro pro Flasche. Da mag man sich insgeheim fragen: Lohnt sich das denn? Klar, dass wir das an dieser Stelle nur für uns beantworten können. Und zwar mit einem schwärmerischen Unbedingt! Wir öffnen dann mal eine Rotwein-Legende und danken den Winzern, dass sie keine Mühen scheuen, um uns derart einzigartige Weine zu bescheren!



