Barossa Valley: Australiens Shiraz-Mekka
Es ist die älteste Weinregion in Down Under – das Barossa Valley. Hier, in der Hitze Südaustraliens, entstehen Rotweine mit opulenter Wucht und konzentrierter Strahlkraft.
Um da nicht durcheinander zu geraten, welcher Wein aus welchem Tal stammt, gibt es aber auch so eine simple Faustregel: Handelt es sich um einen Shiraz, stammt er garantiert aus dem Barossa Valley. Ist es ein Riesling, Chardonnay oder ein Pinot Noir, kommt dieser so gut wie immer aus dem Eden Valley.
Was das Eden Valley vom Barossa Valley unterscheidet
Die Gründe für diese so vorbildhafte Trennung lassen sich mit dem Klima sowie mit den Böden begründen. Machen wir uns nichts vor: ob nun Barossa oder Eden Valley - heiss ist es im Bundesstaat South Australia überall. Das Eden Valley liegt allerdings 100 bis 200 Meter höher als das Barossa Valley. Ausserdem ist die Vegetation eine ganz andere: Hier findet man viele Eukalyptuswälder, die Schatten spenden. Die Folge: im Eden Valley ist es meist 2 °C kühler. Dadurch reifen die Trauben langsamer und können später gelesen werden.
Hinzu kommen dann noch die Böden, die von sandigem Lehm und Sandstein geprägt sind. Auf solch einem Untergrund fühlen sich vor allem die Rebsorten Riesling, Chardonnay und Pinot Noir im Eden Valley sehr wohl. Riesling sogar so sehr, dass diese fast schon urdeutsche Traube dort eine vollkommen andere, aber eben nicht minder beeindruckende Strahlkraft entwickelt. Solch einen Wein aus dem Eden Valley zu probieren, lohnt sich nicht nur für eingefleischte Riesling-Fans.
Extreme Hitze im Barossa Valley
Das Herzstück des Barossa Valley bildet ein flaches Hochtal rund um den Ort Tanunda. 200 bis 300 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, wird es hier richtig, richtig heiss. Im Sommer (in Australien also von Dezember bis Februar) sind hier 35 °C vollkommen normal. Die Sonne brennt dementsprechend gnadenlos auf die Reben nieder, die tief in dem alluvionalen Sand und der fruchtbaren Schwarzerde wurzeln. Die Sommer im Barossa Valley sind nicht nur heiss, sondern auch trocken. Regen gibt es hier nur im milden Winter zwischen April und Oktober.Obwohl mediterrane Einflüsse herrschen, die dank des Pazifiks herüberwehen und die brennende Hitze ein wenig abmildern, ändert das nichts an der Tatsache, dass die Reben in einer recht unwirtlichen Gegend wachsen. Was für Riesling definitiv zu warm ist, ist für eine andere Rebsorte hingegen geradezu ideal: Shiraz. Im Barossa Valley gedeihen zwar auch Grenache und Cabernet Sauvignon, aber von den 100 Millionen Litern Wein, die jährlich im Barossa Valley produziert werden, sind knapp 50 Prozent Shiraz - der Vorzeigerebsorte Australiens. Was aber macht einen Shiraz aus dem Barossa Valley so besonders? Und wie unterscheidet er sich von Syrah aus der Alten Welt? Schliesslich ist es ja ein und dieselbe Rebsorte! Machen wir einen kleinen Ausflug in die ebenso intensive wie faszinierende Shiraz-Welt des Barossa Valley.
Australiens Shiraz-Siegeszug
Denn hier, mitten im flachen Hochtal, entstehen die Weine, die Australien als Weinland so berühmt gemacht haben: schwere und vollmundige Shiraz, die mit 15 Volumenprozent oder gar mehr aufwarten. Da kann meist selbst ein italienischer Amarone nicht mithalten! Aber keine Bange, dieser hohe Alkoholwert ist in der Regel bestens eingebunden. Denn die Shiraz aus dem Barossa Valley sind ausserdem auch noch sehr extraktreich und warten mit superweichen Tanninen auf. Also quasi ein hochintensives Gesamtpaket, das schnell seinen Siegeszug rund um die Welt angetreten hat.Und zwar derart nachhaltig, dass in so manchem anderen Land die Stilistik darüber entscheidet, ob die Rebsorte denn nun wie in Frankreich Syrah oder eben Shiraz, wie sie in Australien heisst, genannt wird. Bestes Beispiel ist da etwa die südafrikanische Weinregion Stellenbosch. Ist der Wein eher schlank, elegant und mit einer feinen Tannin-Struktur, dann handelt es sich um Syrah. Ist die Stilistik hingegen sehr intensiv und fruchtig-opulent, ist es ein Shiraz, weil der Wein eben dem australischen Geschmacksprofil dieser Rebsorte zuzuordnen ist.
Wurzelechte Reben im Barossa Valley
Dass ein Shiraz aus dem Barossa derart intensiv und vollmundig und extraktreich ist, kommt übrigens nicht von ungefähr. Denn die meisten Reben sind 80, 100 oder gar über 150 Jahre alt. Dementsprechend gering ist der hocharomatische Ertrag. Und auch für das beeindruckende Rebenalter gibt es einen Grund.
Denn die Reblaus, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts einen Grossteil der europäischen Rebbestände vernichtete, ward in Australien nie gesehen. Dadurch war es den Shiraz-Reben möglich, ein derart hohes Alter überhaupt erst zu erreichen.
Am Anfang stand ein deutscher Weinbau-Pionier
Aber wie begann der Weinbau im Barossa Valley überhaupt? Und woher stammt der Name? Nun, ab den 1830er-Jahren wurde das Hochtal von Briten und Deutschen besiedelt. Benannt wurde das Barossa Valley nach den umliegenden Barossa Ranges, die Teil der südaustralischen Bergkette Mount Lofty Ranges sind. Und für die Barossa Ranges wiederum stand eine spanische Schlacht Namenspate: Barrossa. Genau, mit zwei R. Denn leider schlich sich in dem ersten offiziellen Dokument, in dem die Barossa Ranges erwähnt wurden, ein Rechtschreibfehler ein. Man liess das dann so.Die ersten Reben - nämlich Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Chardonnay - wurden 1842 von Lutheranern ins Barossa Valley gebracht. Es sollte dann aber noch fünf Jahre dauern, bis der deutsche Pionier Johann Grampp aus Aiching bei Kulmbach die ersten Reben im Barossa Valley mit nennenswertem Erfolg pflanzte. Und zwar in der Lage Jacob’s Creek, um genau zu sein. 1850 konnte er die Trauben das erste Mal ernten - und genau 12 Dutzend Flaschen Wein daraus erzeugen. Johann Grampp gilt damit als Urvater des australischen Weinbaus.
Weinvielfalt aus dem Barossa Valley
Das Weingut von Johann Grampp existiert schon lange nicht mehr. Château Yalumba, das älteste Weingut im Barossa Valley kann aber auf eine nicht minder beeindruckende Historie zurückblicken. Schliesslich wurde es 1849 gegründet. Andere Weingüter mögen nicht ganz so alt sein, beeindrucken seit vielen Jahren aber trotzdem mit ihren aussergewöhnlichen Weinqualitäten. Am bekanntesten ist wohl ganz eindeutig Penfolds, das mit seinem Grange Hermitage echte Weingeschichte geschrieben hat. Wer das Weingut übrigens mal besuchen möchte, sollte unbedingt eines der Tagesseminare buchen. Denn dann kann man dort seinen eigenen Wein kreieren.Ob nun so grosse Weinbetriebe wie Penfolds oder kleinere Güter wie Ben Glaetzer, Torbreck Vintners oder Two Hands Wines - die Weinszene im Barossa Valley ist sehr divers - und dementsprechend spannend. In den vergangenen zwanzig Jahren sind viele neue Winzer hinzugekommen. Meist handelt es sich dabei um sehr, sehr kleine Weingüter, die verschwindend geringe Weinmengen vinifizieren. Früher wurden die Trauben einfach an Grossproduzenten verkauft, heutzutage keltert man selbst. Und das gerne auch mal abseits der bewährten Pfade.